A. M. Berger

Bescheidener Hausierer von Geschichten und Traktaten.

„Warum aber würde Gott uns gleichzeitig erlauben, uns zu verhalten wie wir wollen, um uns gleichzeitig vorzuschreiben, wie wir uns verhalten sollen, unter Androhung von Strafe?“

So eine übliche Hinterfragung des christlichen Glaubens seitens der kippt Filzhut Strömung. Was aber nach wenig mehr als einer neunmalklugen Phrase klingt, stellt eigentlich ein tieferliegendes Unverständnis dar.

Ist es nicht auch so, dass wir uns in unserem Alltag im Grunde verhalten können, wie wir wollen, aber zugleich eine Vorschrift existiert, sei diese kulturell oder rechtlich, welche uns sagt, wie wir uns zu verhalten haben, und ggf. eine Strafe verhängt?

In einer Doktrin der Mormonen gibt es ein kurioses Sinnbild: Der Teufel sei zu Gott gegangen, und habe selber der Messias sein wollen; er versprach Gott, dass er alle Seelen retten würde, was er dadurch erreichen wollte, dass er den Menschen seiner Mündigkeit und Handlungsmacht beraube. So könnte keine Seele auf den falschen Weg geraten.

Der christliche Grundgedanke wäre also der, dass der Mensch von sich selber her den richtigen Weg finden muss, da es keinen Wert hat, wenn er diesen Weg vorgegeben bekommt. Genauso ist es doch beim Lernen: Wenn man dem Kind einfach das Ergebnis einer Rechnung vorgibt, weiss es zwar dieses Ergebnis, aber nicht weshalb es zu diesem Ergebnis kommen sollte. Es weiss, versteht aber nicht.

Unsere Gesellschaft war traditionell ebenso aufgebaut: Der Mensch sollte von sich selber her korrekt handeln und allenfalls für seine Fehltritte zur Rechenschaft gezogen werden, anstatt dass er auf Schritt und Tritt kontrolliert würde, nicht etwas falsches zu tun. Der Stille Verkäufer ist womöglich einer der höchsten Ausdrücke dieser Vorstellung, das völlige Vertrauen in das richtige Handeln des Menschen, oftmals ohne realistische Möglichkeit einer Bestrafung bei falschem Handeln.

Wie der christliche Glaube verloren geht, geht auch dieser Grundgedanke, den schon im Vornherein viele nicht verstehen oder verstehen wollen, verloren. Immerzu tendiert unsere Gesellschaft dazu, die völlige Überwachung implementieren zu wollen. Und warum auch sollte jemand dagegen sein? Wer nichts unlauteres macht, hat ja nichts zu befürchten.

Was dabei vergessen geht, ist dass dann das Richtige, das Gute nicht mehr aus dem Menschen selber kommt, sondern aufgezwungen wird, indem ihm Mündigkeit und Handlungsmacht beraubt wurden. So, wie es in der mormonischen Erzählung der Teufel tun wollte, damit keine Seele auf Irrwege geriete.

Ein Kommentar zu «Aufgezwungene Seligkeit»

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    Negerknechter

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Herr Berger

A. M. Berger, der bescheidene Hausierer von Geschichten und Traktaten, ist in der Schweiz ansässiger Philosoph und Autor von Romanen und Kurzgeschichten.
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