A. M. Berger

Bescheidener Hausierer von Geschichten und Traktaten.

Kapitel 2

Zu Kapitel 1

Noch immer in der Wanne sitzend, welche auf wundersame Weise zusammen mit mir selbst in diese Zwischenhölle transportiert worden war, konnte ich in der Ferne ein wahnwitziges Lachen hören. Ich sah ich mich um, auf der Suche nach dem Ursprung dieses grauenhaften Geräusches, welches nur von diesem grässlichen Spektrum bekannt als Jean Scheisshaus ausgehen konnte. Ich konnte diesen nicht ausfindig machen, doch direkt vor mir hatte sich ein Lokus aus weissem Porzellan materialisiert, eine unwirkliche Erscheinung aus perfekt geglättetem Weiss, die nicht in diese arkanen Gemäuer passte. Mit einer bedrohlichen Bewegung kam dieser glänzende Thron auf mich zu, wurde immer grösser, wuchs an auf eine unmögliche Grösse, bis er das ganze Universum um mich herum einnahm und das Einzige war, was ich in meinem Blickfeld sehen konnte.

Mit einem lauten Schrei wachte ich plötzlich in meinem Himmelbett auf, schaute um mich und sah das vertraute Bild meines Schlafzimmers, vom sanften Licht der Morgendämmerung geflutet. Ich griff zu einem Glas Wasser auf dem Nachttisch, und nahm einen Schluck, doch sobald dieses Wasser meine Lippen berührten, spuckte ich es aus, denn es schmeckte abscheulich nach Putzmittel. War es denn möglich, dass mein Glas so unsachte gereinigt worden war, dass der Geschmack nach Reinigungschemikalien in das Wasser übergegangen wäre?

Ich machte mir vorerst nichts weiter aus alledem, stattdessen stieg ich aus dem Bett, schlüpfte in die Hausschuhe und lief zum Fenster hinüber, von wo aus ich eine Weile den Anblick der verschneiten Idylle genoss, während ich versuchte, nicht an die vorherigen Gräuel zu denken, aber auch nicht an die überfüllte Tagesordnung, die an diesem Tag noch vor mir lag.

Ich schlurfte in das Badezimmer hinüber und begann mir, wie jeden Morgen, die Zähne zu putzen. Doch gerade als ich ausspülte und meinen Blick vom Waschbecken erhob, schaute vom Spiegel nicht mein eigenes Spiegelbild zurück, stattdessen sah ich dieses unwirkliche, grauenvolle Antlitz; ein weisses Gesicht, wie eine venezianische Karnevalsmaske, ohne einen Körper dahinter, sondern nur eine schwarze Kutte über dem nichts, mit schwarzen Augen in denen rot glühende Pupillen ihren Blick in mich hineinbohrten. Das Gesicht sah mich mit einem perfiden Lächeln an, und begann dann wahnwitzig zu lachen.

Reflexartig warf ich ein Glas in den Spiegel, der sogleich in tausend Teile zerbrach. Der Lärm blieb nicht unbemerkt, kurz darauf erschienen Fujimoto sowie das Zimmermädchen und der Koch, der sich in der Küche bereits um mein Frühstück bemühte.

«Mir ist nur etwas ausgerutscht», sagte ich, während ich mich zitternd an die Badewanne lehnte. Das Zimmermädchen machte sich sogleich daran, die Scherben aufzulesen, als dass ich mich nicht verletze. Fujimoto fragte, ob er mir womöglich meine Termine absagen sollte, falls ich mich nicht wohl fühlte.

«Danke, aber nein, werter Fujimoto. Die Welt braucht mich», sagte ich pflichtbewusst und stakste sogleich zwischen den Scherben aus dem Badezimmer hinaus.

Ich ging an diesem Tag meinen vorgesehenen Pflichten nach, traf mich mit Vertretern von Industrie und Gewerkschaften, um ihnen zu helfen, eine Einigung auf ihre Konflikte zu finden, telefonierte mit dem amerikanischen Präsidenten, und widmete mich eine Weile meinem nächsten literarischen Meisterwerk. Doch die ganze Zeit über verfolgte mich das Bild dieser grauenvollen Fratze, dieses unwirklichen, weissen Gesichtes des Jean Scheisshaus.

Dann geschah es, als ich des Abends erneut im Badezimmer war, mir Gesicht und Hände wusch, dass ich plötzlich aus dem Augenwinkel eine Bewegung bemerkte. Ich sah, wie der Lokus sich bewegte, auf mich zu kam, während der Klodeckel bedrohlich auf und zu klapperte. Instinktiv nahm ich einige Schritte zurück, weg von dieser Aberration, doch gleich schon stand ich mit dem Rücken zur Wand, der flatternde Porzellanthron vor mir. Und dann hörte ich aus den Tiefen der Abwasserleitung her wieder dieses krankhafte Lachen, erst leise und entfernt, dann immer lauter.

Mein Herz raste, ich rutschte zu Boden, vom Schock komplett gelähmt und hielt mir die Hände vors Gesicht, als in dem Moment aus der Tasse des WCs jene dunkle Figur hervortrat, bestehend einzig aus einer schwarzen Kutte und diesem weissen Gesicht, das scheinbar direkt einem Albtraum entsprungen war, mit seinen leuchtend roten Augen und perversem Lächeln.

«Weiche von mir, Jean Scheisshaus!», rief ich verzweifelt, doch die Reaktion dieser Ausgeburt des Lokus war einzig dieses wahnsinnige Lachen, das mir durch Mark und Bein ging, während er wie ein kleines Kind herumhüpfte, bloss dass der Anblick dieser tänzelnden Kreatur das Grauen nur noch verstärkte. Dann holte er eine Sprühflasche hervor, und sprühte mir damit eine ätzende Flüssigkeit in mein Gesicht. Ich spürte die endlosen Qualen davon, wie meine Haut zu brennen anfing und verätzt wurde, bis sie von meinem Gesicht hinwegschmolz und nur noch meinen nackten Schädel zurückliess.

Ich schrie auf vor Schmerz, und erwachte plötzlich über meinem Schreibtisch. Sofort griff ich mir ans Gesicht, welches scheinbar unversehrt war. Vor mir lagen Seiten meines Manuskripts, das ich auf meiner Schreibmaschine verfasst hatte, die durcheinandergekommen waren. Ich begann sie zu sortieren, als ich zwischen ihnen ein seltsames Blatt fand. Darauf waren einige Buchstaben, von Schreibmaschine getippt, in einer seltsamen Anordnung, die keinen Sinn ergab. Ich nahm das Blatt in die Hand und hielt es mir so weit weg, wie ich konnte, ob ich aus den Buchstaben ein Muster erkennen konnte. Und wie ich das tat, bemerkte ich tatsächlich ein Bild, das sich daraus bildete: Den Umriss des Jean Scheisshaus.

Zu Kapitel 3

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Herr Berger

A. M. Berger, der bescheidene Hausierer von Geschichten und Traktaten, ist in der Schweiz ansässiger Philosoph und Autor von Romanen und Kurzgeschichten.
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